6 Punkte, die Du auf dem Weg zum/zur Physiotherapeuten/in unbedingt beachten solltest

Liebe Leser und liebe Leserinnen,
da es in der Ausbildung zum/zur Physiotherapeuten/in wohl für einige Schüler zu überraschenden Erlebnissen kommen mag, beschreibe ich euch heute, worauf man VOR Beginn der Ausbildung achten sollte.

1.Passt der Beruf zu mir?

  • Möchte ich viel Kontakt mit Menschen haben?
    Das heißt nicht nur mit Ihnen zu sprechen und ihnen 20 Min über den Rücken streicheln. Nein, Physiotherapie ist körperliche Arbeit und das sollte man nie vergessen. Es ist anstrengend und nicht selten kommt man Pat manchmal näher, als man vielleicht selbst möchte. Einem Patienten aus dem Bett zu helfen, der nicht laufen kann, oder in der Praxis einem Patienten aus dem Rollstuhl auf die Behandlungsliege zu helfen, erfordert nun gewissen Körperkontakt.
  • Wo sehe ich mich nach der Ausbildung?
    In drei Jahren Ausbildung kann sich viel verändern und es ist möglich, dass man z.B. erst in der Neurologie arbeiten wollte und zum Ende der Ausbildung möchte man sein Hauptaugenmerk doch auf die Orthopädie legen.
    Sich aber im Vorfeld einen Plan zu machen, ist durchaus sinnvoll. So verlierst du nicht dein Ziel aus den Augen.

2.Sollte ich im Vorfeld ein Praktikum absolvieren?

Ja! Auf jeden Fall ist dies zu empfehlen. Nehme dir die Zeit und suche dir eine Praxis, ein Krankenhaus, etc aus und bewerbe dich.
Vor meiner Ausbildung absolvierte ich ein zweimonatiges Praktikum in einer Praxis in meiner Nähe. So konnte ich für mich herausfinden, ob das wirklich eine gute Idee ist, die Ausbildung zu beginnen.
Man kann zwar noch nicht viel machen als Praktikantin, aber gemeinsam mit einer Therapeutin und dem Einverständnis der Patienten, durfte ich mir die Patienten auch genauer ansehen. Ich habe die ersten Massagegriffe gelernt oder durfte erfahren, wie sich OP-Narben anfühlen.
Das ist am Anfang super aufregend und man lernt dabei, ob man so eine Art von Beruf sein Leben lang machen möchte.

3.Schule oder Uni?

Da es aktuell schon einige Studiengänge für Physiotherapie gibt, das Angebot an staatlichen oder privaten Schulen aber nur geringfügig gesunken ist, stellt sich die Frage, wo man seinen Abschluss erlangen möchte.
Die staatlichen Schulen sind meist um einiges günstiger als die privaten, da sich diese selbst finanzieren müssen.
An Universitäten erhält man am Ende einen akademischen Grad, was helfen kann, um später leichter im Ausland arbeiten zu können, wenn man dies möchte.
Dazu ist es wichtig sich im Umfeld umzuhören. Wo haben die Physiotherapeuten in deiner Umgebung ihren Abschluss erlangt und was würden sie Dir empfehlen?
Dazu ist ein Praktikum natürlich auch sehr sinnvoll, denn man kommt leichter mit den Therapeuten in Kontakt.

4.Die Finanzierung

Eine private Physiotherapieschule kostet sehr viel Geld im Monat. Es ist unerlässlich, dass man Unterstützung bekommt. Es ist eine schulische Ausbildung, zwei Jahre sitzt man täglich in der Schule und lernt. Ein Jahr absolviert man sein Praktikum in verschiedenen Fachbereichen. Während dieser Zeit fühlt man sich bestimmt öfters wie eine volle Arbeitskraft, wird allerdings nicht entlohnt, sondern zahlt während dieser Zeit weiter an die Schule.

Auch an Universitäten ist monatlich ein gewisser Betrag zu entrichten.

Mögliche Finanzierungshilfen sind zu aller erst die Familie und Studienkredite, wie zum Beispiel BaFöG.
Informiere dich im Vorfeld darüber, ob du dir die Ausbildung / das Studium leisten kannst.
Für einen Nebenjob bleibt gerade in den Prüfungsphasen keine Zeit und während des Praktikums ist man nach einem Arbeitstag meist auch so erschlagen, dass man nur noch ins Bett möchte.

Bedenke ebenfalls, dass ein Auto sinnvoll sein kann. Denn je nachdem wo die Schule liegt und auch die Praktikumsstellen ist man oft auf ein Auto angewiesen.

5.Kein Reichtum trotz hoher Kosten

Nach dem Abschluss zum Physiotherapeuten hat man sehr viel Geld investiert. Aber reich wird man davon nicht. Es ist ein schlecht bezahlter Beruf. Als Berufsanfänger erhält man ca. um die 2000€ brutto.
Setzt man das mit 3 (!) Jahren pauken, hohen Kosten und viel Stress in Relation, rechnet sich das kaum.
Selbst ungelernte Kräfte verdienen in manchen Berufen mehr.

6.Die Finanzierung NACH dem Abschluss

Vergiss nicht, dass immer weitere Kosten auf dich zukommen werden. Speziell als Physio lernt man nie aus. Jedes Jahr kommen Kosten für Fortbildungen auf dich zu und diese sind nicht zu gering einzuschätzen.
Sie sind notwendig, damit man die Rezepte der Patienten bei den Krankenkassen abrechnen lassen kann.
Ein Beispiel: Nach der abgeschlossenen Ausbildung absolviert die Physiotherapeutin (nennen wir sie Hannah) eine Fortbildung zur Manualtherapeutin. Eine bekannte Behandlungsmethode und durchaus sehr sinnvoll, das sie im täglichen Praxisalltag gebraucht wird. Zwei Jahre Ausbildung kosten ca. 2500€. Die Krankenkasse zahlt am Ende weniger als 10ct mehr für ein Rezept mit Manueller Therapie. Hohe Kosten, wenig Verdienst.

Fazit
Informiere dich vorher ausreichend über diesen Berufsweg. Er ist nicht leicht zu gehen und es werden einem oft Steine in den Weg gelegt.
Aber wenn du dich für diesen Weg entschieden hast, dann wünsche ich dir ganz viel Glück, Erfolg, Durchhaltevermögen und viele, viele liebe und motivierte Patienten.
Lass‘ dich dann nicht mehr von deinem Weg abbringen. Wir brauchen mehr Physiotherapeuten !!!!

Hast du noch weitere Fragen?
Dann melde dich einfach bei mir. Kommentiere diesen Beitrag oder schreibe mir eine Nachricht bei Twitter (@Physiocaro121)

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